Buddhismus in Stuttgart
Die buddhistischen Gruppen in Stuttgart stellen sich vor.

Lehrtraditionen und Schulen des Buddhismus

Die Lehre des Buddha wurde zunächst durch mündliche Überlieferung verbreitet, in späteren Jahrhunderten im sogenannten Pali – Kanon gesammelt. Ab etwa dem 3.Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung verbreitete sich der Buddhismus über die Länder und Kulturen Ost- und Südostasiens und entwickelte dort verschiedene Schwerpunkte, Ausprägungen und Interpretationen, ohne jedoch seine Grundaussagen zu verändern. Die wichtigsten dieser Lehrtraditionen und Schulen sind:

Theravada

Der Theravada-Buddhismus bezieht sich in seiner Praxis und Lehre auf die ursprünglichen Aussagen des Buddha, die im Pali-Kanon – etwa 300 Jahre nach seinem Tode – niedergeschrieben wurden. Theravada bedeutet wörtlich „Schule der Ältesten“. Die Idealfigur des Theravada ist der Arhat, der Weise, der sich mit Hilfe des achtfachen Pfades aus dem Daseinskreislauf befreit und Nirvana erfahren hat. Heute findet man den Theravada-Buddhismus in Sri Lanka, Myanmar, Thailand, Laos und Kambodscha, aber auch in Nordamerika, Europa und Australien.

Mahayana

Die jüngere der grossen Traditionen des Buddhismus entstand etwa um die Zeitenwende. „Großes Fahrzeug“ nennt sich diese Richtung, weil sie aus grossem Verantwortungsbewusstsein alle Wesen erlösen will. Idealfigur ist der “Bodhisattva” (= erleuchtetes Wesen), dessen hervorragende Eigenschaft vollkommenes Mitgefühl ist. Auf der Basis der älteren Lehren fördert das Mahayana bei seinen Anhängern das helfende Mitgefühl für andere Lebewesen auf dem Wege zur Erlösung. Mahayana ist heute die populärste Tradition des Buddhismus und ist in China, Japan, Korea und der Mongolei verbreitet. Aus ihm haben sich weitere Lehrtraditionen wie Tibetischer Buddhismus und Zen entwickelt.

Tibetischer Buddhismus

Im 7. und 8. Jahrhundert gelangte der Buddhismus nach Tibet. Auf Grundlage des Mahayana, aber auch Yoga und Naturreligionen entwickelte sich der Tantrische Buddhismus (Tantra = Zusammenhang) oder auch Vajrayana ( = Diamantenes Fahrzeug). In der Übungspraxis müssen alle Energien von Körper, Rede und Geist in die Energieform des Erleuchtungsbewusstseins umgewandelt werden:

  • Körperenergien durch Gehmeditation, Niederwerfungen, Yogaübungen.
  • Redeenergien durch Rezitationen von Meditationssilben, Mantras, Liturgien
  • Geistesenergien durch Visualisierungen von Sinnbildern psychischer Kräfte

Die vier Hauptschulen des tibetischen Buddhismus sind Nyingmapa, Kagyüpa, Sakyapa und Gelugpa. Der Dalai Lama ist geistiger Führer des Gelugpa-Ordens, darüber hinaus weltweit geachtete Symbolfigur für das Tibetische Volk.

Zen

Das japanische Wort „Zen“ ist die Übertragung des Chinesischen Wortes „Ch´an“, das seinerseits auf das Sanskrit-Wort „Dhyana“ zurückgeht, das „Meditative Versenkung“ bedeutet. Damit wird eine buddhistische Übungspraxis bezeichnet, die die schweigende Sitzmeditation in den Mittelpunkt des Übens stellt, das heisst die Sammlung des Geistes und die tiefe meditative Versunkenheit, in der alle dualistischen Unterscheidungen wie ich / du, Subjekt / Objekt, wahr / falsch aufgehoben sind, um Selbstwesenschau ( „Kensho, Satori“ ) und schließlich das volle Erwachen zu ermöglichen, wie es der Buddha Shakyamuni nach intensiver meditativer Selbstschulung unter dem Bodhi-Baum erlebte.

Ch´an entstand im 6. und 7. Jahrhundert in China aus der Begegnung des von dem indischen Mönch Bodhidharma übermittelten Buddhismus mit dem chinesischen Taoismus. Ursprünglich wurde Ch´an nur in Klöstern von autorisierten Zen-Meistern den mönchischen Schülern in „wortloser Lehre“ von Herzgeist zu Herzgeist weitergegeben, heute sind auch Laien als Schüler zugelassen. Von China aus verbreitete sich die Meditationspraxis nach Japan („Zen“), Korea („Son“) und Vietnam, heute auch nach den Vereinigten Staaten von Amerika und Europa

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